Größe: 1.166 ha
Landkreis: Uecker-Randow
Unterschutzstellung: 23.09.1987
Schutzzweck: Schutz eines großen zusammenhängenden Moorkomplexes mit Röhrichten, Seggenrieden und Feuchtwiesen, der durch das Absenken des Seespiegels des Ahlbecker Sees entstanden ist.

Lage: Der Ahlbecker Seegrund befindet sich im östlichen Teil der „Ueckermünder Heide“ (221) nahe der Grenze zu Polen, in Höhen von 3 – 4 m NN.
Geologie und Wasserhaushalt: In den durch tieftauendes Toteis entstandenen See wurden im Spätglazial Sande des umgebenden Haffstauseegebietes eingeschwemmt bzw. eingeweht. In den zentralen Teilen des Sees sind etwa 7 m mächtige Kalk- und Detritusmudden sedimentiert. Den Abschluss bilden 0,5 m Schilftorfe, die im nordwestlichen Bereich in Seggentorfe übergehen. Die Torfbildung erfolgte erst, nachdem der See im Zuge der Besiedlung des Gebietes über einen Stichkanal abgelassen wurde, um den Seegrund landwirtschaftlich zu nutzen. Lokal sind im Uferbereich des ehemaligen Sees Dünen aufgeweht.
Nutzungsgeschichte: Die Gegend war vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges noch so abgelegen, dass auf der Pommernkarte von LUBINUS 1618 der See nur nach Aussagen der Bewohner dargestellt wurde [189]. Die Größe des Sees betrug nach Angaben der SCHWEDISCHEN MATRIKELKARTE (1693) 22,4 km2. Der Abfluss erfolgte nach Westen zur Randow. 1747 war nach dem ersten Versuch zum Trockenlegen des Sees ein ansehnlicher Restsee verblieben. Ab 1790 wurde ein neuer Kanal nach Norden in den Neuwarper See angelegt. In einer dritten Seespiegelabsenkung wurde ab 1880 der Riether Kanal (Teufelsgraben) zum Neuwarper See nochmals vertieft und in den ehemaligen See hinein verlängert. Damit fiel der Rest des Ahlbeckschen Sees trocken. Die randlichen Wiesen blieben sehr nass, die tiefer liegenden Bereiche waren nicht nutzbar. Mit großem Kostenaufwand wurde später im Seegrund ein Grabensystem angelegt, das teilweise verfiel. Mit dem Wiederanstieg des Wasserspiegels wuchs ein Versumpfungsmoor auf dem Verlandungsmoor auf. Durch den Abbau des kalkreichen Seesubstrats entstand nach 1900 die freie Wasserfläche des Ludwigshofer Sees mit einer Größe von 1,8 ha. Gegenwärtig werden die Randbereiche des Ahlbecker Seegrundes extensiv beweidet.
Pflanzen- und Tierwelt: Der größte Teil des ehemaligen Seegrundes wird von Schilfröhrichten und Seggenrieden mit Schnabel-, Blasen-, Steif-, Rispen- und Zweizeiliger Segge sowie Fieberklee, Teich-Schachtelhalm und Zungen-Hahnenfuß eingenommen. In den ungenutzten randnahen Bereichen haben sich ausgedehnte Grauweidengebüsche entwickelt, die in Erlenbruchwald übergehen. Die genutzten Randbereiche sind durch Feuchtwiesen mit Sumpfdotterblume, Geflecktem Knabenkraut, Breitblättrigem Knabenkraut, Kuckucks-Lichtnelke und Moor-Labkraut gekennzeichnet. Die Feuchtwiesen gehen stellenweise in trockene Sand-Magerrasen über. Ein Großteil der ehemaligen Magerrasen ist mit Kiefern aufgeforstet worden. Im Gebiet wurden von HENNICKE 355 Großschmetterlingsarten nachgewiesen. Seltene und faunistisch bedeutsame Arten sind Deilephila porcellus, Agrotis clavis, Heliophobus reticulata, Euxoa cursoria, Agrotis ripae und Cyclophora pendularia. Die Laufkäferfauna des Ahlbecker Seegrundes ist mit 36 Arten reich und weist eine Reihe von Besonderheiten auf, so die Laufkäfer Elaphrus uliginosus, Demetrias imperialis und Cymindis macularis. Auf den Dünen in der Umgebung des Seegrundes kommen u. a. die Laufkäfer Carabus intricatus, Harpalus flavescens, Amara quenseli, A. equestris, Panagaeus bipustulatus sowie Harpalus autumnalis, Amara lucida und Dromius longiceps vor [541]. Das Gebiet beherbergt einen großen Bestand des Moorfrosches. Am Rande des Seegrundes konnte einer der größten bekannten Eiablageplätze der Ringelnatter mit etwa 250 Gelegen nachgewiesen werden [406]. Nicht selten kommt die Kreuzotter vor. In den Schilfflächen und den eingestreuten Seggenrieden brüten Rohrdommel, Wiesenweihe, Tüpfelralle, Kranich, Bekassine und Bartmeise. Auf den umgebenden Wiesenflächen, im Bereich der Magerrasen sowie entlang der Waldstreifen konnten Baumfalke, Raubwürger, Schlag-, Feld- und Rohrschwirl nachgewiesen werden. Häufiger Brutvogel ist hier auch die Heidelerche. Auf den Weideflächen brütet der Kiebitz. Regelmäßig wird der Ludwigshofer See von dem in der Nähe brütenden Fischadler als Jagdgebiet genutzt. Schrei- und Seeadler sind im Gebiet Nahrungsgast.
Gebietszustand und Entwicklungsziele: Der Zustand des Gebietes ist gut. Das Schutzgebiet ist durch seine Größe und Unzugänglichkeit störungsarm. Auf größeren Flächen findet eine Torfbildung statt.
Öffentliche Nutzung: Um das Gebiet führt ein Rad- und Wanderweg, der Beobachtungen auf den Wiesenflächen im Randbereich des Ahlbecker Seegrundes ermöglicht.


Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): "Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, Demmler Verlag 2003, 720 S. - ISBN 978-3-910150-52-2. Mit freundlicher Genehmigung (c) Demmler Verlag