Im Gebiet der ehemaligen innerdeutschen Grenze bilden feuchte Standorte entlang von Trave und Grenzgraben und höher gelegene trockene Biotope ein ökologisch wertvolles Mosaik.
Palinger Heide und Selmsdorfer Traveufer befinden sich östlich der Hansestadt Lübeck, zwischen Herrnburg und dem Dassower See. Dieser Abschnitt des Grünen Bandes, der ehemaligen innerdeutschen Grenze, ist aufgrund seiner Ausstattung mit seltenen Biotopen und seiner Funktion als Ausbreitungskorridor für verschiede Arten geschützt als:
Die Stiftung verfügt in diesem Gebiet über stark gestreuten Grundbesitz von insgesamt rund 68,5 ha. Die Flächen liegen dabei im Wesentlichen zwischen dem damaligen Kolonnenweg und der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Das Gebiet grenzt an den Dassower See und die Wakenitzniederung.
Der heutige Verlauf der Trave wurde in der letzten Kaltzeit durch Eismassen fördeähnlich geformt, so dass der Fluss hier tief eingeschnitten zwischen dem Selmsdorfer Ufer und dem schleswig – holsteinischen Dummersdorfer Ufer verläuft. Das Ufer ist als sandig-kiesiges Steilufer ausgebildet, an dessen Fuß sich Spülsäume und Strandwälle befinden (vgl. JESCHKE et al. 2003). In die Traveförde strömt bei entsprechender Windrichtung salziges Wasser ein.
Im Süden des Gebietes befindet sich mit der Wakenitzniederung eine Schmelzwasserrinne aus der letzten Eiszeit. Die großflächigen Durchströmungsmoore (vgl. LUNG MV 2008) der Niederung wurden bereits durch den mittelalterlichen Wasserbau rund um Lübeck vergrößert. Sowohl Moor als auch Beckensande wurden v.a. im Umfeld von Herrnburg von Binnendünen überlagert. Auch nördlich davon dominieren nährstoffarme Sande des Lübecker Beckens, auf denen sich punktuell bis zu 20 m starke Flachmoortorfe bildeten (vgl. STALU WM 2012).
Potenziell natürliche Vegetation auf dem größten Teil der Flächen sind Buchenwaldgesellschaften, wie Waldmeister-Buchenwald oder Flattergras-Buchenwald sowie, auf nassen organischen Standorten, Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald (vgl. ebd.).
Das Gebiet gehört zur Landschaftseinheit „Westmecklenburgisches Hügelland mit Stepenitz und Radegast“ (KARTENPORTAL UMWELT M-V).
Die Dünenkomplexe, die im Zuge der Grenzsicherungsmaßnahmen teilweise eingeebnet und beackert wurden, werden derzeit extensiv gepflegt, so dass sich hier gesetzlich geschützte Sand-Magerrasen, Silbergrasfluren und Zwergstrauchheiden entwickeln konnten.
Die Niederungen von Herrenburger und Schlutuper Landgraben werden von teilweise besonders naturnahen Feucht- und Bruchwäldern sowie Ufergehölzen eingenommen (vgl. LUNG MV 2008).
Die Steilküstenabschnitte sind mit Gebüschen und Vorwaldstadien bewachsen, wobei es zu kleinflächigen Rutschungen kommt, so dass sich offene Trockenstandorte ergeben.
Diese Biotope beheimaten z.T. bundesweit gefährdete Tierarten. Auf den Flächen der Stiftung Umwelt- und Naturschutz wurden u.a. Fischotter, Gestreifte Windelschnecke, Warzenbeißer, Große Moosjunfger und Rotleibiger Grashüpfer beobachtet (vgl. LUNG 2023, StALU WM 2012, 2015).
Auch deutschlandweit gefährdete Pflanzenarten konnten in der Vergangenheit auf den Flächen unserer Stiftung oder im näheren Umfeld nachgewiesen worden, u.a Moor-Reitgras, Entferntährige Segge, Quendel-Seide, Dreizahn, Heidenelke, Mittlerer Sonnentau, Kamm-Wurmfarn, Glockenheide, Wollgras, Ginster, Sandstrohblume, Wasserfeder, Schwimmendes Froschkraut, Keulen-Bärlapp, Fieberklee, Englisches Fingerkraut, Schnabelried, Knotiges Mastkraut, Ausdauernder Knäuel, sowie verschiedene Moose (LUNG 2023).
Die Trave und angrenzende Äcker im Norden des Gebietes bilden für Zugvögel ein bedeutendes Gebiet zur Rast und Nahrungssuche (StDB 2017). Brutvögel im Gebiet waren in der Vergangenheit u.a. Gänsesäger (Mergus merganser), Wespenbussard (Pernis apivorus) und Waldschnepfe (Scolopax rusticola) (JESCHKE et al. 2003, LUNG 2023)
Die naturschutzfachliche Bedeutung des „Grünen Bandes“ als Biotopverbund wird einerseits durch den Siedlungsdruck im Suburbanisierungsbereich Lübecks, andererseits durch eine Nutzungsaufgabe gemindert. Die (nachholende) Suburbanisierung, die nach der Wiedervereinigung im östlichen Umland von Lübeck stattfand, hat dazu geführt, dass das Grüne Band durch Wohnbebauung und Industrieansiedlung in Herrnburg und Selmsdorf sehr schmal geworden ist. Gleichzeitig hat der Nutzungsdruck durch Erholungssuchende zugenommen.
Ein Großteil der Flächen ist heute von Wald bedeckt. Die Schneise, die im Zuge der Grenzsicherungsmaßnahmen geschaffen wurde, ist durch Sukzession oder Aufforstung mit Kiefern und Eichen zu großen Teilen verschwunden. Einige großflächige Offenlandbiotope, beispielsweise am Brandenbaumer Sack, konnten erhalten werden. Teilweise sind auch noch linienhafte Lichtungen als die Überreste der Grenzsicherungsmaßnahmen verblieben. Hier sind noch einige Halbtrockenrasen mit teilweise zusammenhängenden Calluna-Beständen erhalten. Allerdings ist offensichtlich, dass sich diese Flächen aufgrund der Sukzession zusehends verkleinern (vgl. StALU WM 2012).
Wir orientieren uns beim Management des Gebietes an dem Leitbild zum Grünen Band, das darauf abzielt „einen halboffenen Zustand mit einem mosaikartigen Wechsel aus Extensivgrünland, Brachen, teils vegetationsfreien Sonderstandorten und verbuschten bzw. bewaldeten Bereichen zu erreichen“ (BUND 2014, S. 29), wobei es im Hinblick auf die im Gebiet vorhandenen Bruchwälder insbesondere gilt, die „naturschutzfachlich wertvollen Laubwälder zu erhalten“ (ebd. S. 45).
Entsprechend dem oben beschriebenen Leitbild betreibt die Stiftung in allen Waldgebieten, Mooren, Gewässern und Röhrichten und an der Steilküste Prozessschutz, d.h. sie greift nicht in die natürlichen Prozesse ein.
Offene Biotope wie Grünland, Mager- und Trockenrasen oder Heide sind durch menschliche Bewirtschaftung entstanden. Da sie eine hohe Zahl von seltenen Arten beheimaten, sollen sie durch Pflegmaßnahmen vorzugsweise durch Beweidung offengehalten (StALU WM 2012 a) werden. Um die Pflegenutzung zu vereinfachen ist die Stiftung am Erwerb von Grundstücken zur Arrondierung ihrer Flächen interessiert.
Für die Umsetzung von Maßnahmen konnten im Rahmen des Verbundprojektes „HOTSPOT28 Natürlicher Klimaschutz im Norden“ für den Zeitraum von 2024-2030 Fördermittel aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) eingeworben werden.
Mit der Förderung sollen unterschiedliche Pflegregime verglichen und eine Beweidung ausgewählter Flächen etabliert werden. Im Rahmen des Programmes sollen außerdem freiwillig Engagierte für Pflege und Monitoring gefunden und geschult werden. Auch kleinere Erstinstandsetzungen von Biotopen sind geplant.
Insbesondere die Palinger Heide ist durch eine Vielzahl von Wanderwegen erschlossen, von denen aus vielfältige Einblicke in das Grüne Band möglich sind. Dabei kann teilweise der historische Kolonnenweg genutzt werden. Mit dem ÖPNV ist das Gebiet beispielsweise vom Bahnhof Herrnburg oder der Haltestelle Försterei in Lübeck (vorbei an der alten Schwedenschanz) gut zu erreichen. Als Startpunkt für Wanderungen am Selmsdorfer Traveufer kann die Haltestelle Selmsdorfer Forstweg dienen.
Zum Schutz der Wildtiere dürfen die Wege nicht verlassen werden und Hunde müssen an der kurzen Leine geführt werden. Auch das Einbringen von Fischen oder die Entsorgung von Gartenabfällen gefährden Flora und Fauna des Gebietes.
BUND (Hrsg. 2014): Handlungsleitfaden für das Grüne Band. Nürnberg
Jeschke, L., Lenschow, U. & Zimmermann, H. (2003): Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern.- Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Demmler Verlag GmbH Schwerin, S. 634f
Kartenportal Umwelt des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG), abgerufen im Februar 2023
StDB (2017): DE2031471 Standard-Datenbogen für besondere Schutzgebiete (BSG), vorgeschlagene Gebiete von gemeinschaftliche Bedeutung (GGB), Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) und besondere Erhaltungsgebiete (BEG). – Amtsblatt der Europäischen Union
Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU WM, Hrsg., 2012): Managementplan für das FFH-Gebiet DE 2130-303 Moore in der Palinger Heide, erarbeitet durch Pöyry Deutschland GmbH, Büro Schwerin. Schwerin.
StALU WM (Hrsg. 2012 a): „Machbarkeitsstudie zur erforderlichen Pflegenutzung in den FFH-Gebieten Herrnburger Binnendüne und Duvennester Moor“ (DE 2130-302) und „Moore in der Palinger Heide“ (DE 2130-303) einschließlich notwendiger Besucherlenkung, erarbeitet durch Pöyry Deutschland GmbH, Büro Schwerin. Schwerin
StALU WM (Hrsg. 2015): Managementplan für das FFH-Gebiet DE 2031-301 Küste Klützer Winkel und Ufer von Dassower See und Trave, erarbeitet durch UmweltPLan GmbH Stralsund. Schwerin
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